Narrenattribute Teil 22019-10-28T09:38:05+00:00

Narrenattribute Teil 2

Narrenattribute Teil 2

Musizierender Narr

Musizierender Narr, von tanzendem Paar an den Eselsohren festgehalten, Detail vom Kaminfries des Kölner Gürzenich, um 1440, im Zweiten Weltkrieg zerstört, Foto: Rheinisches Bildarchiv, Köln, Nr. 17198

 

Spätestens seit dem frühen 15. Jahrhundert waren mit dem Bild des Standardnarren die beiden langen Eselsohren an seiner Kappe verbunden. Der Esel, in der griechisch-römischen Tradition Inbegriff der Einfalt und Uneinsichtigkeit, kennzeichnete den Narren als „insipiens“, als einen, dem jede Form von Weisheit (lat.“sapientia“) abgeht – wobei nach mittelalterlichem Verständnis der Anfang aller Weisheit in der Gottesfurcht gesehen wurde: „timor Domini initium sapientiae“. Dass dem Narren genau diese Einsicht fehlte, sollten seine Eselsohren anzeigen. Auf dem leider im Zweiten Weltkrieg zerstörten Kaminfries des alten Kölner Gürzenich aus der Zeit um 1440 ist ein musizierender Narr zu sehen, der von einem tanzenden Paar an den Eselsohren festgehalten und damit verspottet wird.

Musizierender Narr, von tanzendem Paar an den Eselsohren festgehalten, Detail vom Kaminfries des Kölner Gürzenich, um 1440, im Zweiten Weltkrieg zerstört, Foto: Rheinisches Bildarchiv, Köln, Nr. 17198

Spätestens seit dem frühen 15. Jahrhundert waren mit dem Bild des Standardnarren die beiden langen Eselsohren an seiner Kappe verbunden. Der Esel, in der griechisch-römischen Tradition Inbegriff der Einfalt und Uneinsichtigkeit, kennzeichnete den Narren als „insipiens“, als einen, dem jede Form von Weisheit (lat.“sapientia“) abgeht – wobei nach mittelalterlichem Verständnis der Anfang aller Weisheit in der Gottesfurcht gesehen wurde: „timor Domini initium sapientiae“. Dass dem Narren genau diese Einsicht fehlte, sollten seine Eselsohren anzeigen. Auf dem leider im Zweiten Weltkrieg zerstörten Kaminfries des alten Kölner Gürzenich aus der Zeit um 1440 ist ein musizierender Narr zu sehen, der von einem tanzenden Paar an den Eselsohren festgehalten und damit verspottet wird.

Butzesel

Butzesel Villingen, Foto: Ralf Siegele, www.ralfsiegele.de

Während sich die Eselsohren an den historischen Narrenhäsern der schwäbisch-alemannischen Fastnacht weitgehend verloren haben und als Larven-Kopfstück lediglich die Gugelform der alten Narrenkappe erhalten blieb, ist der Esel als eigenständige Maskenfigur sehr wohl noch präsent. In Villingen hat er in der Rolle des „Butzesels“ eine wichtige Funktion, und in Bad Waldsee gehört „Werners Esel“ zu den großen Attraktionen der dortigen Fasnet.

Butzesel Villingen, Foto: Ralf Siegele, www.ralfsiegele.de

Während sich die Eselsohren an den historischen Narrenhäsern der schwäbisch-alemannischen Fastnacht weitgehend verloren haben und als Larven-Kopfstück lediglich die Gugelform der alten Narrenkappe erhalten blieb, ist der Esel als eigenständige Maskenfigur sehr wohl noch präsent. In Villingen hat er in der Rolle des „Butzesels“ eine wichtige Funktion, und in Bad Waldsee gehört „Werners Esel“ zu den großen Attraktionen der dortigen Fasnet.

Hahnenkopf und Marotte

Narr mit Hahnenkopf auf Kappe und Marotte, Detail einer Miniatur aus einem Psalter für Karl VIII., spätes 15. Jh., Paris, Bibliothèque Nationale, lat. 774, fol. 63 v.

Ein weiteres Tier, das bestimmter Eigenschaften wegen sehr früh mit dem Narren in Verbindung gebracht wurde, war neben dem Esel der Hahn. Galt der Esel einfach nur als dumm und störrisch, so stand der Hahn für sexuelle Begierde, ungezügelte Leidenschaft und Geilheit. Optisch angezeigt wurde der Wesenszug der närrischen Triebhaftigkeit an gleich prominenter Stelle wie die Eselsohren, nämlich auf der Kappe des Toren. In der aufwändigsten Gestaltungsform überragte die Gugel ein vollständig ausgeformter Hahnenkopf, der sich gegebenenfalls auf dem Narrenköpfchen der Marotte wiederholte. So ist es beispielsweise in einem französischen Psalterium des späten 15. Jahrhunderts dargestellt, das König Karl VIII. im Gebrauch hatte.

Narr mit Hahnenkopf auf Kappe und Marotte, Detail einer Miniatur aus einem Psalter für Karl VIII., spätes 15. Jh., Paris, Bibliothèque Nationale, lat. 774, fol. 63 v.

 

Ein weiteres Tier, das bestimmter Eigenschaften wegen sehr früh mit dem Narren in Verbindung gebracht wurde, war neben dem Esel der Hahn. Galt der Esel einfach nur als dumm und störrisch, so stand der Hahn für sexuelle Begierde, ungezügelte Leidenschaft und Geilheit. Optisch angezeigt wurde der Wesenszug der närrischen Triebhaftigkeit an gleich prominenter Stelle wie die Eselsohren, nämlich auf der Kappe des Toren. In der aufwändigsten Gestaltungsform überragte die Gugel ein vollständig ausgeformter Hahnenkopf, der sich gegebenenfalls auf dem Narrenköpfchen der Marotte wiederholte. So ist es beispielsweise in einem französischen Psalterium des späten 15. Jahrhunderts dargestellt, das König Karl VIII. im Gebrauch hatte.

Hahnenkamm-Kappe

Narr mit Hahnenkamm-Kappe und junge Frau, Detail aus einem Kupferstich von Lucas van Leyden, Niederlande 1520, Amsterdam, Rijksprentenkabinett, Inv. Nr. RP-P-OB 1738

 

In der einfacheren Variante wurde, wie ein Kupferstich von Lucas van Leyden von 1520 zeigt, statt eines voll ausgeprägten Hahnenkopfs auf der Narrenkappe nur ein von vorn nach hinten verlaufender gezackter Tuchstreifen angebracht, der den Kamm eines Hahns andeuten sollte. Das genügte offenbar bereits, um den Träger entsprechend zu charakterisieren. In dem Kupferstich von Lucas von Leyden bestätigt der in die Jahre gekommene alte Narr übrigens sein gockelhaftes Verhalten gleich selbst, indem er sich an ein junges Mädchen heranmacht und es auf die Wange küsst.

Narr mit Hahnenkamm-Kappe und junge Frau, Detail aus einem Kupferstich von Lucas van Leyden, Niederlande 1520, Amsterdam, Rijksprentenkabinett, Inv. Nr. RP-P-OB 1738

In der einfacheren Variante wurde, wie ein Kupferstich von Lucas van Leyden von 1520 zeigt, statt eines voll ausgeprägten Hahnenkopfs auf der Narrenkappe nur ein von vorn nach hinten verlaufender gezackter Tuchstreifen angebracht, der den Kamm eines Hahns andeuten sollte. Das genügte offenbar bereits, um den Träger entsprechend zu charakterisieren. In dem Kupferstich von Lucas von Leyden bestätigt der in die Jahre gekommene alte Narr übrigens sein gockelhaftes Verhalten gleich selbst, indem er sich an ein junges Mädchen heranmacht und es auf die Wange küsst.

Hahnenkamm-Kappe mit junger Frau

Narr mit Hahnenkamm-Kappe und junge Frau, Detail aus einem anonymen niederländischen Kupferstich: Frau mit Spiegel und Narr, 1. Viertel 17. Jahrhundert, Amsterdam, Rijksprentenkabinett, Inv. Nr. RP-P-OB 77.716

 

Narr mit Hahnenkamm-Kappe und junge Frau, Detail aus einem anonymen niederländischen Kupferstich: Frau mit Spiegel und Narr, 1. Viertel 17. Jahrhundert, Amsterdam, Rijksprentenkabinett, Inv. Nr. RP-P-OB 77.716

Hahnenkopf samt Hahnenkamm

Närrin mit Eselsohrenkappe und Hahnenfedern, Detail aus einem Kupferstich von Hans-Sebald Beham: Narr und Närrin, Nürnberg, 1. Hälfte 16. Jh., Amsterdam, Rijksprentenkabinett, Inv. Nr. RP-B-OB 10.929

 

An der Schwelle von der Renaissance zum Barock wurden Hahnenkopf und Hahnenkamm auf der Narrenkappe zuweilen sogar auch miteinander kombiniert. So zeigt es auf einem anonyme niederländischen Kupferstich aus dem ersten Viertel des 17. Jahrhunderts. Die Torenkappe eines Narren mit einer Katze auf der Schulter wird dort von einem elegant geschwungenen Hahnenkopf überragt, den zusätzlich noch ein üppiger Kamm optisch hervorhebt.

Närrin mit Eselsohrenkappe und Hahnenfedern, Detail aus einem Kupferstich von Hans-Sebald Beham: Narr und Närrin, Nürnberg, 1. Hälfte 16. Jh., Amsterdam, Rijksprentenkabinett, Inv. Nr. RP-B-OB 10.929

An der Schwelle von der Renaissance zum Barock wurden Hahnenkopf und Hahnenkamm auf der Narrenkappe zuweilen sogar auch miteinander kombiniert. So zeigt es auf einem anonyme niederländischen Kupferstich aus dem ersten Viertel des 17. Jahrhunderts. Die Torenkappe eines Narren mit einer Katze auf der Schulter wird dort von einem elegant geschwungenen Hahnenkopf überragt, den zusätzlich noch ein üppiger Kamm optisch hervorhebt.

Eselsohrenkappe und Hahnenfedern

Närrin mit Eselsohrenkappe und Hahnenfedern, Detail aus einem Kupferstich von Hans-Sebald Beham: Narr und Närrin, Nürnberg, 1. Hälfte 16. Jh., Amsterdam, Rijksprentenkabinett, Inv. Nr. RP-B-OB 10.929

 

Die einfachste Form, den Hahn mit der Narrentracht in Verbindung bringen, war die Anbringung einer oder mehrerer echter Hahnenfedern auf der Eselsohrenkappe. Dass dieser Weg tatsächlich auch gewählt und des geringen Aufwands wegen in der Praxis vielleicht sogar besonders gern beschritten wurde, ist durch einschlägige Bilddokumente hinlänglich belegt. Gut sichtbar etwa auf der Gugel einer Närrin, die Hans Sebald Behm in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts in einem Kupferstich dargestellt hat.

Närrin mit Eselsohrenkappe und Hahnenfedern, Detail aus einem Kupferstich von Hans-Sebald Beham: Narr und Närrin, Nürnberg, 1. Hälfte 16. Jh., Amsterdam, Rijksprentenkabinett, Inv. Nr. RP-B-OB 10.929

 

Die einfachste Form, den Hahn mit der Narrentracht in Verbindung bringen, war die Anbringung einer oder mehrerer echter Hahnenfedern auf der Eselsohrenkappe. Dass dieser Weg tatsächlich auch gewählt und des geringen Aufwands wegen in der Praxis vielleicht sogar besonders gern beschritten wurde, ist durch einschlägige Bilddokumente hinlänglich belegt. Gut sichtbar etwa auf der Gugel einer Närrin, die Hans Sebald Behm in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts in einem Kupferstich dargestellt hat.

Boschen aus Hahnenfedern

Rottweiler Biss mit Boschen aus Hahnenfedern, Foto: Ralf Siegele, www.ralfsiegele.de

Angesichts der Intensität, mit der das Hahnenmotiv in der Bildtradition präsent war, würde es verwundern, wenn es in der Fastnacht keine Fortsetzung gefunden hätte. Wie zu erwarten, ist es jedoch an einer ganzen Reihe von traditionellen Häsern nach wie vor deutlich vorhanden. Den spätmittelalterlichen Vorbildern am nächsten kommt wohl noch das Rottweiler Biss. Bei diesem Weißnarrentypus sind an der Gugel des Kopfstücks zwar die Eselsohren weggefallen, aber an genau derselben Stelle, wo sich einst der Hahnenkopf oder -kamm befand, trägt es heute noch den sogenannten „Wischer“ mit einem Büschel Hahnenfedern.

Rottweiler Biss mit Boschen aus Hahnenfedern, Foto: Ralf Siegele, www.ralfsiegele.de

Angesichts der Intensität, mit der das Hahnenmotiv in der Bildtradition präsent war, würde es verwundern, wenn es in der Fastnacht keine Fortsetzung gefunden hätte. Wie zu erwarten, ist es jedoch an einer ganzen Reihe von traditionellen Häsern nach wie vor deutlich vorhanden. Den spätmittelalterlichen Vorbildern am nächsten kommt wohl noch das Rottweiler Biss. Bei diesem Weißnarrentypus sind an der Gugel des Kopfstücks zwar die Eselsohren weggefallen, aber an genau derselben Stelle, wo sich einst der Hahnenkopf oder -kamm befand, trägt es heute noch den sogenannten „Wischer“ mit einem Büschel Hahnenfedern.

Rottweiler Weißnarr mit Narrenwurst

Rottweiler Guller, Foto: Helmut Reichelt

Wie der Esel kommt der Hahn aber auch noch als Einzelgestalt ganzfigurig in diversen Fastnachten vor. Die beliebteste Inszenierungsform ist hier ein auf menschliche Dimensionen vergrößerter, berittener Hahn, der in Wirklichkeit von seinem Reiter getragen wird. Mit dem Bild des Hahnenreiters wurde in der spätmittelalterlichen und barocken Emblematik gern der „Hahnrei“, also der gehörnte Ehemann bzw. der betrogene Gatte in Verbindung gebracht. Einmal mehr gravitiert der Hahn damit um stets dasselbe Thema: Sexualität. Besonders pittoreske Exemplare des Hahnenreiters finden sich in der schwäbisch-alemannischen Fastnacht etwa im Rottweiler „Guller“ oder im „Gullerreiter“ von Wolfach im Kinzigtal.

Rottweiler Guller, Foto: Helmut Reichelt

 

Wie der Esel kommt der Hahn aber auch noch als Einzelgestalt ganzfigurig in diversen Fastnachten vor. Die beliebteste Inszenierungsform ist hier ein auf menschliche Dimensionen vergrößerter, berittener Hahn, der in Wirklichkeit von seinem Reiter getragen wird. Mit dem Bild des Hahnenreiters wurde in der spätmittelalterlichen und barocken Emblematik gern der „Hahnrei“, also der gehörnte Ehemann bzw. der betrogene Gatte in Verbindung gebracht. Einmal mehr gravitiert der Hahn damit um stets dasselbe Thema: Sexualität. Besonders pittoreske Exemplare des Hahnenreiters finden sich in der schwäbisch-alemannischen Fastnacht etwa im Rottweiler „Guller“ oder im „Gullerreiter“ von Wolfach im Kinzigtal.

Fuchsschwanzszepter

Narr mit Fuchsschwanzszepter, Spielkarte, 17. Jh., Nürnberg, Germanisches Nationalmuseum, Kupferstichkabinett, Sp. 3508, 517.

Ein weiteres eng mit der Figur des Narren verknüpftes Tiersymbol war der Fuchsschwanz, der entweder an den Kittel oder an die Kapuze der Narrentracht genäht wurde oder den der Narr an einem Stab hängend wie ein Szepter vor sich hertrug. In der ersten Anbringungsvariante findet sich der Fuchsschwanz mehrfach auf Gemälden von Pieter Bruegel, in der zweiten Form als Bekrönung eines Stabs erscheint er etwa auf einer Spielkarte des 17. Jahrhunderts, wo der Narr den „Vice-Re“ verkörpern soll. In seiner Sinnbildhaftigkeit stand der Fuchsschwanz im späten Mittelalter nicht etwa für Intelligenz und Schläue, wie man heute annehmen könnte, sondern für Durchtriebenheit und Unehrlichkeit. Jemanden einen „Fuchsschwänzer“ zu nennen, war alles andere als ein Kompliment.

Narr mit Fuchsschwanzszepter, Spielkarte, 17. Jh., Nürnberg, Germanisches Nationalmuseum, Kupferstichkabinett, Sp. 3508, 517.

Ein weiteres eng mit der Figur des Narren verknüpftes Tiersymbol war der Fuchsschwanz, der entweder an den Kittel oder an die Kapuze der Narrentracht genäht wurde oder den der Narr an einem Stab hängend wie ein Szepter vor sich hertrug. In der ersten Anbringungsvariante findet sich der Fuchsschwanz mehrfach auf Gemälden von Pieter Bruegel, in der zweiten Form als Bekrönung eines Stabs erscheint er etwa auf einer Spielkarte des 17. Jahrhunderts, wo der Narr den „Vice-Re“ verkörpern soll. In seiner Sinnbildhaftigkeit stand der Fuchsschwanz im späten Mittelalter nicht etwa für Intelligenz und Schläue, wie man heute annehmen könnte, sondern für Durchtriebenheit und Unehrlichkeit. Jemanden einen „Fuchsschwänzer“ zu nennen, war alles andere als ein Kompliment.

Narren mit Fuchsschwänzen

Fridinger Narren mit Fuchsschwänzen, Foto: Ralf Siegele, www.ralfsiegele.de

In der schwäbisch-alemannischen Fastnacht ist der Fuchsschwanz ein häufiges Attribut, das gewöhnlich am Kopfstück der Weißnarren angebracht wird, je nach Figurentyp einzeln oder in Bündeln von bis zu drei Exemplaren. Besonders fällt der Fuchswadel, so die lokale Bezeichnung, bei den Narren in Fridingen an der Donau ins Auge, weil er dort seitlich neben der Larve hängt. Diese gute Sichtbarkeit verweist nicht zuletzt auf den fastnächtlichen Ortsnecknamen des Städtchens. Für die Dauer der närrischen Tage heißt nämlich ganz Fridingen „Fuchsau“.

Fridinger Narren mit Fuchsschwänzen, Foto: Ralf Siegele, www.ralfsiegele.de

In der schwäbisch-alemannischen Fastnacht ist der Fuchsschwanz ein häufiges Attribut, das gewöhnlich am Kopfstück der Weißnarren angebracht wird, je nach Figurentyp einzeln oder in Bündeln von bis zu drei Exemplaren. Besonders fällt der Fuchswadel, so die lokale Bezeichnung, bei den Narren in Fridingen an der Donau ins Auge, weil er dort seitlich neben der Larve hängt. Diese gute Sichtbarkeit verweist nicht zuletzt auf den fastnächtlichen Ortsnecknamen des Städtchens. Für die Dauer der närrischen Tage heißt nämlich ganz Fridingen „Fuchsau“.

Die Welt als Narrenkopf

Die Welt als Narrenkopf, Kolorierter Kupferstich, Ende 16. Jahrhundert, Nürnberg, Germanisches Nationalmuseum, Kupferstichkabinett, La 213

 

Ein weiteres närrisches Symbol, dessen Botschaft paradoxerweise in der eigenen Inhaltslosigkeit lag, war in der bildenden Kunst das flüchtige Phänomen der Blase. Seine Zeichenhaftigkeit offenbart sich vielleicht am deutlichsten in einem kolorierten anonymen Kupferstich vom Ende des 16. Jahrhunderts, der die ganze Welt als Narrenkopf zeigt. Das eigentlich Interessante ist hier die Marotte, die ja das Ebenbild der unter einer riesigen Eselsohrenkappe steckenden, kartographisch vermessenen Erdkugel sein soll: Es besteht in einer großen, über einem Blasröhrchen schwebenden Seifenblase, die vermutlich nur wenige Momente überdauert und in ihrem Inneren das Bibelwort trägt: „Vanitas vanitatum et omnia vanitas – Alles ist eitel und nichtig“. Das Bild der närrischen Welt, die jederzeit platzen und sich in nichts auflösen kann, ist heute aktueller denn je.

Die Welt als Narrenkopf, Kolorierter Kupferstich, Ende 16. Jahrhundert, Nürnberg, Germanisches Nationalmuseum, Kupferstichkabinett, La 213

 

Ein weiteres närrisches Symbol, dessen Botschaft paradoxerweise in der eigenen Inhaltslosigkeit lag, war in der bildenden Kunst das flüchtige Phänomen der Blase. Seine Zeichenhaftigkeit offenbart sich vielleicht am deutlichsten in einem kolorierten anonymen Kupferstich vom Ende des 16. Jahrhunderts, der die ganze Welt als Narrenkopf zeigt. Das eigentlich Interessante ist hier die Marotte, die ja das Ebenbild der unter einer riesigen Eselsohrenkappe steckenden, kartographisch vermessenen Erdkugel sein soll: Es besteht in einer großen, über einem Blasröhrchen schwebenden Seifenblase, die vermutlich nur wenige Momente überdauert und in ihrem Inneren das Bibelwort trägt: „Vanitas vanitatum et omnia vanitas – Alles ist eitel und nichtig“. Das Bild der närrischen Welt, die jederzeit platzen und sich in nichts auflösen kann, ist heute aktueller denn je.

Schweinsblase

Kleiner Narr mit Schweinsblase, Steinrelief auf einer Brunnensäule des Pfeiferbrunnens von Hans Gieng in Bern, zwischen 1544 und 1546, Foto: Werner Mezger

 

 

Vom Bild der Seifenblase führt eine mehr oder weniger direkte Linie zur Schweinsblase in der Hand des Toren. Eine der ersten Darstellungen eines Narren in Eselsohrentracht mit einem Stecken und daran befestigter „Saubloder“ – so der alemannische Ausdruck für das besagte Requisit – findet sich als Relief an der Säule des um 1540 von Hans Gieng geschaffenen Pfeiferbrunnens in Bern. Das dortige Närrlein, das mit der zum Ballon aufgepumpten Blase um sich schlägt, gehört zu einem Reigen tänzelnder Kindernarren.

Kleiner Narr mit Schweinsblase, Steinrelief auf einer Brunnensäule des Pfeiferbrunnens von Hans Gieng in Bern, zwischen 1544 und 1546, Foto: Werner Mezger

 

Vom Bild der Seifenblase führt eine mehr oder weniger direkte Linie zur Schweinsblase in der Hand des Toren. Eine der ersten Darstellungen eines Narren in Eselsohrentracht mit einem Stecken und daran befestigter „Saubloder“ – so der alemannische Ausdruck für das besagte Requisit – findet sich als Relief an der Säule des um 1540 von Hans Gieng geschaffenen Pfeiferbrunnens in Bern. Das dortige Närrlein, das mit der zum Ballon aufgepumpten Blase um sich schlägt, gehört zu einem Reigen tänzelnder Kindernarren.

Saublodere – Die leere Hülle

Elzacher Schuddig mit Saublodere, Foto: Ralf Siegele, www.ralfsiegele.de

Bis heute ist die Schweinsblase ein häufig anzutreffendes Neckinstrument von Fastnachtsnarren, in besonderer Dichte etwa bei den „Schuttigen“ in Elzach. Die Verwendung von „Saublodere“ im fastnächtlichen Brauchgeschehen hatte einen doppelten Grund: Auf der ganz praktischen Ebene fielen bei den Metzgern durch das verstärkte Schlachten vor dem Fastenbeginn nochmals vermehrt Schweinsblasen an, und auf der Symbolebene waren die aufgeblasenen Saublodere sinnfällige Zeichen für die Nichtigkeit und Hohlheit allen närrischen Treibens. Genau genommen ist die Schweinsblase in der Hand des Narren sogar auf ähnliche Weise Ebenbild ihres Trägers wie die mit seinem Porträtköpfchen versehene Marotte. Die romanische Wortwurzel „fol“ für „Narr“, wie sie beispielsweise im französischen „fou“ oder im englischen „fool“ steckt, leitet sich nämlich vom lateinischen „follis“ ab und bedeutet so viel wie „leerer Beutel“ oder „Hülle ohne Inhalt“. Eben diese innere Hohlheit und war es, die bei Theologen und Moralsatirikern als entscheidendes Wesensmerkmal des Narren galt.

Elzacher Schuddig mit Saublodere, Foto: Ralf Siegele, www.ralfsiegele.de

Bis heute ist die Schweinsblase ein häufig anzutreffendes Neckinstrument von Fastnachtsnarren, in besonderer Dichte etwa bei den „Schuttigen“ in Elzach. Die Verwendung von „Saublodere“ im fastnächtlichen Brauchgeschehen hatte einen doppelten Grund: Auf der ganz praktischen Ebene fielen bei den Metzgern durch das verstärkte Schlachten vor dem Fastenbeginn nochmals vermehrt Schweinsblasen an, und auf der Symbolebene waren die aufgeblasenen Saublodere sinnfällige Zeichen für die Nichtigkeit und Hohlheit allen närrischen Treibens. Genau genommen ist die Schweinsblase in der Hand des Narren sogar auf ähnliche Weise Ebenbild ihres Trägers wie die mit seinem Porträtköpfchen versehene Marotte. Die romanische Wortwurzel „fol“ für „Narr“, wie sie beispielsweise im französischen „fou“ oder im englischen „fool“ steckt, leitet sich nämlich vom lateinischen „follis“ ab und bedeutet so viel wie „leerer Beutel“ oder „Hülle ohne Inhalt“. Eben diese innere Hohlheit und war es, die bei Theologen und Moralsatirikern als entscheidendes Wesensmerkmal des Narren galt.

Das Narrenmal

Allegorie der Narrheit, Gemälde von Quinten Metsys, ca. 1510, Worcester, Worcester Art Museum, vormals: Prof. Dr. Julius S. Held Collection

 

Ein in der bildenden Kunst zwar nur vereinzelt dargestelltes, aber wenn, dann umso drastischer hervorgehobenes Torenkennzeichen war eine nicht zu übersehende eitrige Beule auf der Stirn des „Insipiens“: das Narrenmal. Gut zu erkennen ist es auf einem als „Allegorie der Narrheit“ betitelten Gemälde von Quinten Metsys aus der Zeit um 1510. Mit geheimnisvoller Schweigegeste und mit realen Eselsohren zeigt sich die hakennasige Personifikation der Narretei dem Betrachter im Profil, während der Hahnenkopf auf ihrer Kappe in die Welt hinauskräht und aus der Marotte ein kleines Närrlein kriecht, das seinen nackten Hintern zeigt. Unästhetischer Blickfang auf der Stirn der merkwürdigen Zentralfigur aber ist eben jenes hässliches Geschwür, das gewissermaßen als Kainszeichen der Torheit verstanden wurde. Ein eigener Bildtypus war übrigens das sogenannte Narrenschneiden, das die Sinnlosigkeit des Versuchs einer operativen Entfernung des Narrenmals zeigte.

Allegorie der Narrheit, Gemälde von Quinten Metsys, ca. 1510, Worcester, Worcester Art Museum, vormals: Prof. Dr. Julius S. Held Collection

 

Ein in der bildenden Kunst zwar nur vereinzelt dargestelltes, aber wenn, dann umso drastischer hervorgehobenes Torenkennzeichen war eine nicht zu übersehende eitrige Beule auf der Stirn des „Insipiens“: das Narrenmal. Gut zu erkennen ist es auf einem als „Allegorie der Narrheit“ betitelten Gemälde von Quinten Metsys aus der Zeit um 1510. Mit geheimnisvoller Schweigegeste und mit realen Eselsohren zeigt sich die hakennasige Personifikation der Narretei dem Betrachter im Profil, während der Hahnenkopf auf ihrer Kappe in die Welt hinauskräht und aus der Marotte ein kleines Närrlein kriecht, das seinen nackten Hintern zeigt. Unästhetischer Blickfang auf der Stirn der merkwürdigen Zentralfigur aber ist eben jenes hässliches Geschwür, das gewissermaßen als Kainszeichen der Torheit verstanden wurde. Ein eigener Bildtypus war übrigens das sogenannte Narrenschneiden, das die Sinnlosigkeit des Versuchs einer operativen Entfernung des Narrenmals zeigte.

Das Narrenmal auf Masken

Fastnachtsmaske mit Narrenmal auf der Stirn, Rottweil, 18. Jh., Privatbesitz, Foto: Werner Mezger

Das Stirnmal der Narrheit findet sich auch auf historischen Fastnachtsmasken wieder, so etwa auf einer heute nicht mehr getragenen Rottweiler Larve aus dem späten 18. Jahrhundert. Dass es sich hier um keine Zufälligkeit, sondern um ein vom Schnitzer ganz bewusst betontes physiognomisches Merkmal handelt, ist auf den ersten Blick erkennbar. Museale Maskensammlungen, etwa im Rietbergmuseum in Zürich, enthalten historische Larven, auf denen das Narrenmal an genau gleicher Stelle angebracht ist. Es entsprach also einer früher offenbar verbreiteten Vorstellung.

Fastnachtsmaske mit Narrenmal auf der Stirn, Rottweil, 18. Jh., Privatbesitz, Foto: Werner Mezger

Das Stirnmal der Narrheit findet sich auch auf historischen Fastnachtsmasken wieder, so etwa auf einer heute nicht mehr getragenen Rottweiler Larve aus dem späten 18. Jahrhundert. Dass es sich hier um keine Zufälligkeit, sondern um ein vom Schnitzer ganz bewusst betontes physiognomisches Merkmal handelt, ist auf den ersten Blick erkennbar. Museale Maskensammlungen, etwa im Rietbergmuseum in Zürich, enthalten historische Larven, auf denen das Narrenmal an genau gleicher Stelle angebracht ist. Es entsprach also einer früher offenbar verbreiteten Vorstellung.

Spendung des Aschenkreuzes

Spendung des Aschenkreuzes, Bordüre zum Kalendarium des Monats März in einem französischen Stundenbuch, auf Pergament gedruckt von Simon Vostre, Paris um 1510, München Bayerische Staatsbibliothek

 

Der tiefere Sinnzusammenhang des Narrenmals erschließt sich erst beim Blick auf den kirchlichen Bußritus des Aschermittwochs. Das Mal sitzt nämlich, wie an einer einfachen Holzschnitt-Darstellung der Aschenspende aus dem frühen 16. Jahrhundert unschwer zu erkennen, an genau derselben Stelle der Stirn, die am ersten Fastentag vom Priester mit dem Aschenkreuz bezeichnet wird. Vor diesem Hintergrund erklärt sich auch der Wortlaut der von Sebastian Brant geäußerten Kritik an jenen Fastnachtsnarren, die ihr Treiben nicht rechtzeitig beenden und in den Aschermittwochs hinein weiterfeiern. Ihnen wirft Brant nämlich vor: „Das zeichen gots went sie nit han / mit Christo went sie nit erstan.“ Das Narrenmal gegen das Aschenkreuz auszutauschen und sichtbar umzukehren – das also war es, was man von den Akteuren der Fastnacht erwartete.

Spendung des Aschenkreuzes, Bordüre zum Kalendarium des Monats März in einem französischen Stundenbuch, auf Pergament gedruckt von Simon Vostre, Paris um 1510, München Bayerische Staatsbibliothek

Der tiefere Sinnzusammenhang des Narrenmals erschließt sich erst beim Blick auf den kirchlichen Bußritus des Aschermittwochs. Das Mal sitzt nämlich, wie an einer einfachen Holzschnitt-Darstellung der Aschenspende aus dem frühen 16. Jahrhundert unschwer zu erkennen, an genau derselben Stelle der Stirn, die am ersten Fastentag vom Priester mit dem Aschenkreuz bezeichnet wird. Vor diesem Hintergrund erklärt sich auch der Wortlaut der von Sebastian Brant geäußerten Kritik an jenen Fastnachtsnarren, die ihr Treiben nicht rechtzeitig beenden und in den Aschermittwochs hinein weiterfeiern. Ihnen wirft Brant nämlich vor: „Das zeichen gots went sie nit han / mit Christo went sie nit erstan.“ Das Narrenmal gegen das Aschenkreuz auszutauschen und sichtbar umzukehren – das also war es, was man von den Akteuren der Fastnacht erwartete.