Figurentypen und Spielrollen2019-10-23T12:40:10+00:00

Figurentypen und Spielrollen

Figurentypen und Spielrollen

Teufel und Dämonen

Federehannes-Larve („‘s Marxbecke-Federehannes“), 18. Jahrhundert, Privatbesitz, Foto: Mezger

 

 

Die frühesten Maskengestalten der Fastnacht waren Teufel und Dämonen. Der Grund für die zentrale Stellung dieses Figurentyps lag in dem Gegensatz, den vor allem die Theologie des 15. Jahrhunderts gerne zwischen Fastnacht und Fastenzeit konstruierte: Entsprechend der Sichtweise des heiligen Augustinus, der in seinem Hauptwerk „De citivate Dei“ den Gottesstaat vom Teufelsstaat unterschieden hatte, deuteten nämlich die Prediger des späten Mittelalters die Fastenzeit positiv als gottfällige Periode, die Fastnacht hingegen negativ als eine vom Teufel beherrschte Zeit. Folgerichtig waren es daher zunächst ausschließlich Höllenwesen, die das fastnächtliche Spielgeschehen beherrschten. Von originalen Teufelsmasken aus dem 15. Jahrhundert sind leider nur Bruchstücke erhalten. fragmente einer Teufelsmaske. Der hier gezeigte Rottweiler „Federhannes“, eine klassische Teufelsfigur der südwestdeutschen Fastnacht, aber reicht immerhin bis ins 18. Jahrhundert zurück.

Federehannes-Larve („‘s Marxbecke-Federehannes“), 18. Jahrhundert, Privatbesitz, Foto: Mezger

Die frühesten Maskengestalten der Fastnacht waren Teufel und Dämonen. Der Grund für die zentrale Stellung dieses Figurentyps lag in dem Gegensatz, den vor allem die Theologie des 15. Jahrhunderts gerne zwischen Fastnacht und Fastenzeit konstruierte: Entsprechend der Sichtweise des heiligen Augustinus, der in seinem Hauptwerk „De citivate Dei“ den Gottesstaat vom Teufelsstaat unterschieden hatte, deuteten nämlich die Prediger des späten Mittelalters die Fastenzeit positiv als gottfällige Periode, die Fastnacht hingegen negativ als eine vom Teufel beherrschte Zeit. Folgerichtig waren es daher zunächst ausschließlich Höllenwesen, die das fastnächtliche Spielgeschehen beherrschten. Von originalen Teufelsmasken aus dem 15. Jahrhundert sind leider nur Bruchstücke erhalten. fragmente einer Teufelsmaske. Der hier gezeigte Rottweiler „Federhannes“, eine klassische Teufelsfigur der südwestdeutschen Fastnacht, aber reicht immerhin bis ins 18. Jahrhundert zurück.

Teufelsfiguren

Zwei „Schuttige“, Teufelsfiguren aus Elzach, Foto: Ralf Siegele, www.ralfsiegele.de

Teufel und Dämonen, die ältesten Repräsentanten der Fastnacht, bilden noch bis heute eine wichtige Gruppe unter den schwäbisch-alemannischen Maskenfiguren. Markante Mitglieder dieser Familie sind auch die Elzacher „Schuttige“ mit ihren grimmigen Larven und dem aus Stroh geflochtenen Dreispitz, der mit Schneckenhäusern verziert ist. Die roten, vereinzelt auch schwarzen Wollkugeln an der Kopfbedeckung erinnern fast ein bisschen an den „Bollenhut“ der Gutacher Tracht, obwohl die Schuttige damit in keinem Zusammenhang stehen. Dass übrigens – Teufelsmasken ursprünglich gar nicht für die Fastnacht gemacht waren, sondern primär zur Darstellung von Höllenszenen in spätmittelalterlichen Figuralprozessionen gebraucht wurden, ist heute weitgehend vergessen. Tatsächlich aber war es eben das Prozessionswesen, aus dem die Teufel in die Fastnacht übernommen wurden. mehr zu Teufeln in der Fastnacht: Teufel und Narr

Zwei „Schuttige“, Teufelsfiguren aus Elzach, Foto: Ralf Siegele, www.ralfsiegele.de

 

Teufel und Dämonen, die ältesten Repräsentanten der Fastnacht, bilden noch bis heute eine wichtige Gruppe unter den schwäbisch-alemannischen Maskenfiguren. Markante Mitglieder dieser Familie sind auch die Elzacher „Schuttige“ mit ihren grimmigen Larven und dem aus Stroh geflochtenen Dreispitz, der mit Schneckenhäusern verziert ist. Die roten, vereinzelt auch schwarzen Wollkugeln an der Kopfbedeckung erinnern fast ein bisschen an den „Bollenhut“ der Gutacher Tracht, obwohl die Schuttige damit in keinem Zusammenhang stehen. Dass übrigens – Teufelsmasken ursprünglich gar nicht für die Fastnacht gemacht waren, sondern primär zur Darstellung von Höllenszenen in spätmittelalterlichen Figuralprozessionen gebraucht wurden, ist heute weitgehend vergessen. Tatsächlich aber war es eben das Prozessionswesen, aus dem die Teufel in die Fastnacht übernommen wurden.

Hexenfiguren

Hexen aus Gengenbach, Foto: Ralf Siegele, www.ralfsiegele.de

Eine relativ junge Variante der dämonischen Gestalten in der schwäbisch-alemannischen Fastnacht bilden die Hexen. Es gibt sie in Südwestdeutschland erst seit den frühen 1930er-Jahren, während sie etwa in der Tiroler Fastnacht eine längere Tradition haben. Mit ihren Kopftüchern, meist karierten Kitteln und Röcken, den Strohschuhen und dem Besen in der Hand, knüpfen sie an den Märchenillustrationen des 19. Jahrhunderts an und haben nichts mit jenen tragischen, der Hexerei bezichtigten Frauen zu tun, deren Verfolgung und Vernichtung zu den dunklen Kapiteln der Geschichte vor der Aufklärung gehört. Fastnachtshexen geben sich umtriebig und komisch und sind daher als Rollentyp, der viel „Spielraum“ eröffnet, gerade bei erst wenige Jahrzehnte alten Zünften sehr beliebt. Die hier gezeigten Hexen aus Gegenbach allerdings gehören zu den ersten, die im schwäbisch-alemannischen Raum auftauchten.

Hexen aus Gengenbach, Foto: Ralf Siegele, www.ralfsiegele.de

Eine relativ junge Variante der dämonischen Gestalten in der schwäbisch-alemannischen Fastnacht bilden die Hexen. Es gibt sie in Südwestdeutschland erst seit den frühen 1930er-Jahren, während sie etwa in der Tiroler Fastnacht eine längere Tradition haben. Mit ihren Kopftüchern, meist karierten Kitteln und Röcken, den Strohschuhen und dem Besen in der Hand, knüpfen sie an den Märchenillustrationen des 19. Jahrhunderts an und haben nichts mit jenen tragischen, der Hexerei bezichtigten Frauen zu tun, deren Verfolgung und Vernichtung zu den dunklen Kapiteln der Geschichte vor der Aufklärung gehört. Fastnachtshexen geben sich umtriebig und komisch und sind daher als Rollentyp, der viel „Spielraum“ eröffnet, gerade bei erst wenige Jahrzehnte alten Zünften sehr beliebt. Die hier gezeigten Hexen aus Gegenbach allerdings gehören zu den ersten, die im schwäbisch-alemannischen Raum auftauchten.

Weißnarren

Bräunlinger Stadthansel, Foto: Ralf Siegele, www.ralfsiegele.de

Als eine Art Krönung der südwestdeutschen Traditionsfastnacht dürfen die sogenannten Weißnarren gelten, zu denen die hier gezeigten Stadthansel aus Bräunlingen gehören. Das Kernverbreitungsgebiet dieser charakteristischen Figuren liegt auf der Baar, der Landschaft rund um den Donauursprung. Ihre faltenlosen, lächelnd-rotwangigen Masken, die feminin wirken und als „Glattlarven“ bezeichnet werden, sind bereits um 1500 in Oberitalien nachweisbar, von wo aus sich ihre Vermittlung in den süddeutschen Raum gut verfolgen lässt. Mögen sie auf den ersten Blick zunächst auch weit von den Teufeln und Dämonen entfernt sein, so haftet ihnen bei genauerem Hinsehen doch etwas Verführerisches an. Und exakt in diesem ideengeschichtlichen Kontext standen sie ursprünglich auch, wie wir heute durch Bildbelege aus der frühen Neuzeit wissen. Typisch für die Weißnarren sind – daher auch die Bezeichnung – ihre bemalten weißen Leinengewänder und die Schellen, die sie an gekreuzten Lederriemen auf Brust und Rücken tragen. mehr erfahren: Teufel und Narr, Häsmalerei – Narren als lebende Bilder

Bräunlinger Stadthansel, Foto: Ralf Siegele, www.ralfsiegele.de

Als eine Art Krönung der südwestdeutschen Traditionsfastnacht dürfen die sogenannten Weißnarren gelten, zu denen die hier gezeigten Stadthansel aus Bräunlingen gehören. Das Kernverbreitungsgebiet dieser charakteristischen Figuren liegt auf der Baar, der Landschaft rund um den Donauursprung. Ihre faltenlosen, lächelnd-rotwangigen Masken, die feminin wirken und als „Glattlarven“ bezeichnet werden, sind bereits um 1500 in Oberitalien nachweisbar, von wo aus sich ihre Vermittlung in den süddeutschen Raum gut verfolgen lässt. Mögen sie auf den ersten Blick zunächst auch weit von den Teufeln und Dämonen entfernt sein, so haftet ihnen bei genauerem Hinsehen doch etwas Verführerisches an. Und exakt in diesem ideengeschichtlichen Kontext standen sie ursprünglich auch, wie wir heute durch Bildbelege aus der frühen Neuzeit wissen. Typisch für die Weißnarren sind – daher auch die Bezeichnung – ihre bemalten weißen Leinengewänder und die Schellen, die sie an gekreuzten Lederriemen auf Brust und Rücken tragen. mehr erfahren: Teufel und Narr, Häsmalerei – Narren als lebende Bilder

Gegensätzliche Welt

Wuescht aus Villingen, Foto: Ralf Siegele, www.ralfsiegele.de

Ein in der Fastnacht oft anzutreffendes Prinzip ist die Inszenierung von Gegensätzen: Groß – klein, jung – alt, schön – hässlich und anderes mehr. Diesem Muster folgend haben auch anmutigen Weißnarren ein negatives Pendant. Es sind die Wuescht, die „Wüsten“ also, in Villingen. Hier verkehrt sich die Eleganz der Weißnarren, die gerade in Villingen kaum noch steigerbar ist (Querverweis?), ins pure Gegenteil: Die barocken Pluderhosen werden prall mit Stroh ausgestopft, bis sie den Gang der Träger behindern. Die bemalten Leinen-Häser sind zerschlissen, und die nicht selten auch schon sichtbar in Mitleidenschaft gezogene Larve, die in Villingen „Scheme“ heißt, wird seitlich vom Gesicht weggehalten, so dass selbst die eherne Grundregel der Unkenntlichkeit nicht mehr gilt. Die Gruppe der Wuescht verkörpert also gewissermaßen die Kehrseite der vornehmen Weißnarren.

Wuescht aus Villingen, Foto: Ralf Siegele, www.ralfsiegele.de

Ein in der Fastnacht oft anzutreffendes Prinzip ist die Inszenierung von Gegensätzen: Groß – klein, jung – alt, schön – hässlich und anderes mehr. Diesem Muster folgend haben auch anmutigen Weißnarren ein negatives Pendant. Es sind die Wuescht, die „Wüsten“ also, in Villingen. Hier verkehrt sich die Eleganz der Weißnarren, die gerade in Villingen kaum noch steigerbar ist, ins pure Gegenteil: Die barocken Pluderhosen werden prall mit Stroh ausgestopft, bis sie den Gang der Träger behindern. Die bemalten Leinen-Häser sind zerschlissen, und die nicht selten auch schon sichtbar in Mitleidenschaft gezogene Larve, die in Villingen „Scheme“ heißt, wird seitlich vom Gesicht weggehalten, so dass selbst die eherne Grundregel der Unkenntlichkeit nicht mehr gilt. Die Gruppe der Wuescht verkörpert also gewissermaßen die Kehrseite der vornehmen Weißnarren.

Aufwendiges Flickwerk

Narronen aus Laufenburg, Foto: Ralf Siegele, www.ralfsiegele.de

Eine sehr große Gruppe schwäbisch-alemannischer Fastnachtsfiguren ist dadurch gekennzeichnet, dass sie Gewänder aus schuppig übereinander genähten Stoffteilchen trägt, die je nach Region Blätzle, Fleckle oder Spättle genannt werden. War dieses Flickwerk ursprünglich ein billig zusammengenähtes Armleute-Kleid aus Textilresten, werden die Stoffschuppen heute eigens für die Narrenhäser hergestellt und dann in einem langen Arbeitsprozess Stück für Stück auf ein Basisgewand genäht. Traditionsreiche Beispiele für solche Kleider aus „Blätzli“ bilden die „Narronen“ aus Laufenburg am Hochrhein, wie dort der Plural von „Narro“ heißt. Ihr jetziges Aussehen ist das Ergebnis eines fortschreitenden Veredelungsprozesses: Neben der Anordnung der Blätzli wird sehr genau auf die Farbzusammenstellung geachtet, und auf dem Rücken trägt jeder Narro der deutsch-schweizerischen Doppelstadt das Stadtwappen. Aus dem ursprünglichen Armleute-Gewand ist heute, von den Aktiven auch so bezeichnet, ein „Ehrenkleid“ geworden, da es in Laufenburg als hohe Ehre gilt, dieses besondere Kleid tragen zu dürfen.

Narronen aus Laufenburg, Foto: Ralf Siegele, www.ralfsiegele.de

Eine sehr große Gruppe schwäbisch-alemannischer Fastnachtsfiguren ist dadurch gekennzeichnet, dass sie Gewänder aus schuppig übereinander genähten Stoffteilchen trägt, die je nach Region Blätzle, Fleckle oder Spättle genannt werden. War dieses Flickwerk ursprünglich ein billig zusammengenähtes Armleute-Kleid aus Textilresten, werden die Stoffschuppen heute eigens für die Narrenhäser hergestellt und dann in einem langen Arbeitsprozess Stück für Stück auf ein Basisgewand genäht. Traditionsreiche Beispiele für solche Kleider aus „Blätzli“ bilden die „Narronen“ aus Laufenburg am Hochrhein, wie dort der Plural von „Narro“ heißt. Ihr jetziges Aussehen ist das Ergebnis eines fortschreitenden Veredelungsprozesses: Neben der Anordnung der Blätzli wird sehr genau auf die Farbzusammenstellung geachtet, und auf dem Rücken trägt jeder Narro der deutsch-schweizerischen Doppelstadt das Stadtwappen. Aus dem ursprünglichen Armleute-Gewand ist heute, von den Aktiven auch so bezeichnet, ein „Ehrenkleid“ geworden, da es in Laufenburg als hohe Ehre gilt, dieses besondere Kleid tragen zu dürfen.

Blätzlenarren

Blätzebuebe aus Konstanz, Foto: Ralf Siegele, www.ralfsiegele.de

Als im Vergleich zu Laufenburg recht junge Zunft, nämlich 1933 gegründet, tragen die Konstanzer „Blätzlebuebe“ das Charakteristikum ihres Gewands sogar im Namen. Bei ihnen besteht, wie im Bodenseeraum allgemein üblich, selbst die Gesichtsvermummung nicht aus einer hölzernen Larve, sondern setzt sich wie das Gewand ebenfalls aus Blätzle in einer bestimmten Anordnung zusammen. Über den Scheitel verläuft in rot die Andeutung eines Hahnenkamms. Im Unterschied zu Laufenburg, wo die Stoffflicken verhältnismäßig klein und eckig sind, verwendet man in Konstanz etwas größere, abgerundete Blätzle.

Blätzebuebe aus Konstanz, Foto: Ralf Siegele, www.ralfsiegele.de

Als im Vergleich zu Laufenburg recht junge Zunft, nämlich 1933 gegründet, tragen die Konstanzer „Blätzlebuebe“ das Charakteristikum ihres Gewands sogar im Namen. Bei ihnen besteht, wie im Bodenseeraum allgemein üblich, selbst die Gesichtsvermummung nicht aus einer hölzernen Larve, sondern setzt sich wie das Gewand ebenfalls aus Blätzle in einer bestimmten Anordnung zusammen. Über den Scheitel verläuft in rot die Andeutung eines Hahnenkamms. Im Unterschied zu Laufenburg, wo die Stoffflicken verhältnismäßig klein und eckig sind, verwendet man in Konstanz etwas größere, abgerundete Blätzle.

Kleider aus Textilfetzen

Fossli aus Siebnen, Foto: Ralf Siegele, www.ralfsiegele.de

Noch sehr nahe am ursprünglichen Einfach-Gewand aus Textilfetzen ist die Kleidung des „Fossli“ aus Siebnen in der Schweiz. Sein Name kommt vom schriftdeutschen Wort „Fetzen“ her und ist dessen Verkleinerungsform in alemannischer Adaption. Die kleinen Textilfetzen wirken, obwohl ebenfalls solide zusammengenäht, absichtlich zerzaust und sollen den Fossli, der sein Gesicht hinter einer Drahtgazelarve verbirgt, bewusst als ärmlich wirkende Gestalt von den anderen, aufwändigeren Narrenfiguren des Orts unterscheiden.

Fossli aus Siebnen, Foto: Ralf Siegele, www.ralfsiegele.de

Noch sehr nahe am ursprünglichen Einfach-Gewand aus Textilfetzen ist die Kleidung des „Fossli“ aus Siebnen in der Schweiz. Sein Name kommt vom schriftdeutschen Wort „Fetzen“ her und ist dessen Verkleinerungsform in alemannischer Adaption. Die kleinen Textilfetzen wirken, obwohl ebenfalls solide zusammengenäht, absichtlich zerzaust und sollen den Fossli, der sein Gesicht hinter einer Drahtgazelarve verbirgt, bewusst als ärmlich wirkende Gestalt von den anderen, aufwändigeren Narrenfiguren des Orts unterscheiden.

Schweizer Rölli

Rölli aus Siebnen, Foto: Ralf Siegele, www.ralfsiegele.de

Ebenfalls aus Siebnen kommt der „Rölli“, der im Reigen der Fleckle-, Blätze- und Spättlegewänder noch einen Sondertypus repräsentiert: den Fransennarren. In deutlicher Abgrenzung vom seinem lokalen Gegenpart, dem „Fossli“, trägt der „Rölli“ ein Gewand aus vielen hundert, kompliziert zu Rautenmustern angeordneten kleinen Wollfaden-Ponpons. Seine Larve ist aus Holz und zeigt, vermutlich als Relikt der Biedermeier-Zeit, sogar die Andeutung einer Brille. Der Name „Rölli“ leitet sich von den kleinen Glöcken in Rollenform ab, die er als „Gschell“ um den Bauch trägt. Fransenkleider ähnlicher Art gibt es auch in Rottweil und Schömberg. Die Siebner Variante ist allerdings so dicht und für die Träger so warm, dass man den „Rölli“ wegen seiner fast fellartigen Vermummung auch „Bärli“ nennt.

Rölli aus Siebnen, Foto: Ralf Siegele, www.ralfsiegele.de

Ebenfalls aus Siebnen kommt der „Rölli“, der im Reigen der Fleckle-, Blätze- und Spättlegewänder noch einen Sondertypus repräsentiert: den Fransennarren. In deutlicher Abgrenzung vom seinem lokalen Gegenpart, dem „Fossli“, trägt der „Rölli“ ein Gewand aus vielen hundert, kompliziert zu Rautenmustern angeordneten kleinen Wollfaden-Ponpons. Seine Larve ist aus Holz und zeigt, vermutlich als Relikt der Biedermeier-Zeit, sogar die Andeutung einer Brille. Der Name „Rölli“ leitet sich von den kleinen Glöcken in Rollenform ab, die er als „Gschell“ um den Bauch trägt. Fransenkleider ähnlicher Art gibt es auch in Rottweil und Schömberg. Die Siebner Variante ist allerdings so dicht und für die Träger so warm, dass man den „Rölli“ wegen seiner fast fellartigen Vermummung auch „Bärli“ nennt.

Der Butzesel

Butzesel aus Villingen, Foto: Ralf Siegele, www.ralfsiegele.de

Eine wichtige Spezies der fastnächtlichen Maskengestalten stellen die Tierfiguren dar. Sie tauchten den Archivalien nach schon relativ früh, d. h. bereits im 15. und 16. Jahrhundert, im Fastnachtsgeschehen auf und standen damals oft in einem bedeutungsgeschichtlichen Zusammenhang mit den Lasterallegorien des Mittelalters, die verschiedene Sünden jeweils mit bestimmten Symboltieren in Verbindung brachten – die Unkeuschheit zum Beispiel mit einem Bock, die Trägheit mit einem Esel, die Verfressenheit mit einem Schwein und so weiter. Diesem Kontext entstammt gewiss auch der Butzesel, ein wichtiger Einzelakteur der Villinger Fastnacht, der einen Tannenast hinter sich herschleppt, Wurstringe um die Ohren hängen hat und von mehreren Treibern in blauen Fuhrmannskitteln auf Trab gehalten oder gebändigt wird. In der gesamten spätmittelalterlichen Narrenphilosophie galt der Esel als das Symboltier der Torheit schlechthin, was sich nicht zuletzt auch in den Eselsohren an den Narrenkappen ausdrückte. In Villingen hat sich der Esel gewissermaßen zur Vollfigur verselbständigt.

Butzesel aus Villingen, Foto: Ralf Siegele, www.ralfsiegele.de

Eine wichtige Spezies der fastnächtlichen Maskengestalten stellen die Tierfiguren dar. Sie tauchten den Archivalien nach schon relativ früh, d. h. bereits im 15. und 16. Jahrhundert, im Fastnachtsgeschehen auf und standen damals oft in einem bedeutungsgeschichtlichen Zusammenhang mit den Lasterallegorien des Mittelalters, die verschiedene Sünden jeweils mit bestimmten Symboltieren in Verbindung brachten – die Unkeuschheit zum Beispiel mit einem Bock, die Trägheit mit einem Esel, die Verfressenheit mit einem Schwein und so weiter. Diesem Kontext entstammt gewiss auch der Butzesel, ein wichtiger Einzelakteur der Villinger Fastnacht, der einen Tannenast hinter sich herschleppt, Wurstringe um die Ohren hängen hat und von mehreren Treibern in blauen Fuhrmannskitteln auf Trab gehalten oder gebändigt wird. In der gesamten spätmittelalterlichen Narrenphilosophie galt der Esel als das Symboltier der Torheit schlechthin, was sich nicht zuletzt auch in den Eselsohren an den Narrenkappen ausdrückte. In Villingen hat sich der Esel gewissermaßen zur Vollfigur verselbständigt.

Der Stadtbock

Stadtbock aus Bräunlingen, Foto: Ralf Siegele, www.ralfsiegele.de

In ähnlichem Zusammenhang wie der Butzesel in Villingen steht der Stadtbock in Bräunlingen. Diese Tierattrappe wird von ihrem vermeintlichen Reiter getragen, der zwar in ein Hanselhäs gekleidet ist, aber keine Larve hat. Zwei ebenfalls unverlarvte junge Buben im Hanselhäs und mit Fuhrmannskitteln versuchen ihn an Seilen im Zaum zu halten, während zwei gleich gewandete, jedoch mit Larven ausgestattete erwachsene Treiber ihn durch Peitschenknallen zu allerlei unerwarteten Aktionen anregen. Die moralisierende mittelalterliche Bedeutung des Bocks als Tierallegorie der Unkeuschheit ist hier niemandem mehr bewusst. Heute schätzt man an der der Fünfergruppe vor allem deren Komik, die im uwiderspenstigen Wesen der Tierfigur und ihres Reiters, eben in deren „Bockigkeit“, liegt.

Stadtbock aus Bräunlingen, Foto: Ralf Siegele, www.ralfsiegele.de

In ähnlichem Zusammenhang wie der Butzesel in Villingen steht der Stadtbock in Bräunlingen. Diese Tierattrappe wird von ihrem vermeintlichen Reiter getragen, der zwar in ein Hanselhäs gekleidet ist, aber keine Larve hat. Zwei ebenfalls unverlarvte junge Buben im Hanselhäs und mit Fuhrmannskitteln versuchen ihn an Seilen im Zaum zu halten, während zwei gleich gewandete, jedoch mit Larven ausgestattete erwachsene Treiber ihn durch Peitschenknallen zu allerlei unerwarteten Aktionen anregen. Die moralisierende mittelalterliche Bedeutung des Bocks als Tierallegorie der Unkeuschheit ist hier niemandem mehr bewusst. Heute schätzt man an der der Fünfergruppe vor allem deren Komik, die im uwiderspenstigen Wesen der Tierfigur und ihres Reiters, eben in deren „Bockigkeit“, liegt.

Überdimensionaler Hahn

„Schiermaiers Guller“ aus Rottweil, Foto: Ralf Siegele, www.ralfsiegele.de

Eher noch selbsterklärend von seiner Zeichenhaftigkeit her ist „Schiermaiers Guller“ in der Rottweiler Fasnet, ein überdimensionaler Hahn, der ebenfalls von einem Reiter getragen wird. Dass der Hahn für sexuelle Begierde steht, gehört bis heute zum Allgemeinwissen. Das Rollenverhalten des Rottweiler Gullers verwies früher wohl recht eindeutig in diese Richtung: Da soll er nämlich mündlicher Überlieferung zufolge noch eine Stange dabeigehabt haben, auf der er die jungen Mädchen reiten ließ. In anderen südwestdeutschen Fastnachten gibt es ähnliche Einzelfiguren, unter denen der „Gullerreiter“ von Wolfach im Kinzigtal wohl der bekannteste ist. Der Name „Schiermaiers Guller“ bezieht sich in Rottweil übrigens auf den Leiter der städtischen Kornscheuer, den „Maior domus“, der Federvieh hielt und auch einen Hahn besaß.

„Schiermaiers Guller“ aus Rottweil, Foto: Ralf Siegele, www.ralfsiegele.de

Eher noch selbsterklärend von seiner Zeichenhaftigkeit her ist „Schiermaiers Guller“ in der Rottweiler Fasnet, ein überdimensionaler Hahn, der ebenfalls von einem Reiter getragen wird. Dass der Hahn für sexuelle Begierde steht, gehört bis heute zum Allgemeinwissen. Das Rollenverhalten des Rottweiler Gullers verwies früher wohl recht eindeutig in diese Richtung: Da soll er nämlich mündlicher Überlieferung zufolge noch eine Stange dabeigehabt haben, auf der er die jungen Mädchen reiten ließ. In anderen südwestdeutschen Fastnachten gibt es ähnliche Einzelfiguren, unter denen der „Gullerreiter“ von Wolfach im Kinzigtal wohl der bekannteste ist. Der Name „Schiermaiers Guller“ bezieht sich in Rottweil übrigens auf den Leiter der städtischen Kornscheuer, den „Maior domus“, der Federvieh hielt und auch einen Hahn besaß.

Die Brieler Rössle

„Brieler Rössle“ aus Rottweil, Foto: Ralf Siegele, www.ralfsiegele.de

Die wohl spektakulärsten Tierfiguren in der schwäbisch-alemannischen Fastnacht überhaupt sind die „Brieler Rössle“ von Rottweil. Benannt nach einem abgegangenen kleinen Dorf oder Weiler bei Rottweil namens Briel, gebärden sich die Rössle am Beginn und am Ende des Narrensprungs besonders publikumswirksam: Ein Reiter vollführt mit seinem Scheinpferd allerlei kühne Sprünge, während zwei Treiber ihn mit ohrenbetäubenden, zuweilen wie Salven klingenden Peitschenschlägen zu bändigen versuchen. Die Peitschenhiebe zielen dabei stets nach der Larvenhaube des Reiters, weil die Treiber den Ehrgeiz haben, dem Rösslenarren den Gänseflügel von seinem Kopfstück herunterzuschlagen.

„Brieler Rössle“ aus Rottweil, Foto: Ralf Siegele, www.ralfsiegele.de

Die wohl spektakulärsten Tierfiguren in der schwäbisch-alemannischen Fastnacht überhaupt sind die „Brieler Rössle“ von Rottweil. Benannt nach einem abgegangenen kleinen Dorf oder Weiler bei Rottweil namens Briel, gebärden sich die Rössle am Beginn und am Ende des Narrensprungs besonders publikumswirksam: Ein Reiter vollführt mit seinem Scheinpferd allerlei kühne Sprünge, während zwei Treiber ihn mit ohrenbetäubenden, zuweilen wie Salven klingenden Peitschenschlägen zu bändigen versuchen. Die Peitschenhiebe zielen dabei stets nach der Larvenhaube des Reiters, weil die Treiber den Ehrgeiz haben, dem Rösslenarren den Gänseflügel von seinem Kopfstück herunterzuschlagen.

Der lange Mann

Der “lange Mann” aus Rottweil, Foto: Ralf Siegele, www.ralfsiegele.de

Tradition haben in der schwäbisch alemannischen Fastnacht vereinzelt auch Gestalten, die so verkleidet sind, dass sie durch Größe, Körperumfang oder andere vorgetäuschte anatomische Besonderheiten aus der Norm herausfallen und Aufsehen erregen. Neben Schwellköpfen, die sich im 19. Jh. großer Beliebtheit erfreuten, sind dies vor allem Riesen. Beispielhaft für solche im wahrsten Sinne des Wortes herausragenden Figuren ist etwa der „lange Mann“ in Rottweil. Sein Träger verbirgt sich unter einer mehrere Meter hohen, zweiteiligen Stoffglocke aus blauem und rotem Kitteltuch, deren Kern eine Stange mit einem Pappmachékopf auf der Spitze bildet. Durch entsprechende Drehung der Stange kann der Kopf in jede gewünschte Richtung blicken, was den Eindruck erweckt, als könne der Riesenkerl in die Fenster des ersten Obergeschosses der Häuser blicken. Den Kontrast zum schlaksigen „langen Mann“ bildet das „dicke Weib“, zwar nur halb so groß wie jener, dafür aber durch ein ausladendes Reifenkleid mit enormer Leibesfülle ausgestattet. Als Anregung für die Kreation des grotesken Paares könnte ein Figuren-Duo gedient haben, das in einer Reihe von süditalienischen Fastnachten auftaucht und dort den Gegensatz zwischen Fastnacht und Fastenzeit verkörpert.

Der „lange Mann“ aus Rottweil, Foto: Ralf Siegele, www.ralfsiegele.de

Tradition haben in der schwäbisch alemannischen Fastnacht vereinzelt auch Gestalten, die so verkleidet sind, dass sie durch Größe, Körperumfang oder andere vorgetäuschte anatomische Besonderheiten aus der Norm herausfallen und Aufsehen erregen. Neben Schwellköpfen, die sich im 19. Jh. großer Beliebtheit erfreuten, sind dies vor allem Riesen. Beispielhaft für solche im wahrsten Sinne des Wortes herausragenden Figuren ist etwa der „lange Mann“ in Rottweil. Sein Träger verbirgt sich unter einer mehrere Meter hohen, zweiteiligen Stoffglocke aus blauem und rotem Kitteltuch, deren Kern eine Stange mit einem Pappmachékopf auf der Spitze bildet. Durch entsprechende Drehung der Stange kann der Kopf in jede gewünschte Richtung blicken, was den Eindruck erweckt, als könne der Riesenkerl in die Fenster des ersten Obergeschosses der Häuser blicken. Den Kontrast zum schlaksigen „langen Mann“ bildet das „dicke Weib“, zwar nur halb so groß wie jener, dafür aber durch ein ausladendes Reifenkleid mit enormer Leibesfülle ausgestattet. Als Anregung für die Kreation des grotesken Paares könnte ein Figuren-Duo gedient haben, das in einer Reihe von süditalienischen Fastnachten auftaucht und dort den Gegensatz zwischen Fastnacht und Fastenzeit verkörpert.

Der Gole

„Gole“ aus Riedlingen, Foto: Ralf Siegele, www.ralfsiegele.de

Der bekannteste Vertreter der überdimensionalen Fastnachtsgestalten des schwäbisch-alemannischen Raums ist zweifellos der „Gole“ von Riedlingen an der Donau, der mit seinem Anhang im Mittelpunkt der närrischen Tage des Städtchens steht. Wie sein schwäbischer Name andeutet, leitet er sich vom biblischen Riesen Goliath ab und gehört damit in den Figurenreigen jener Leugner des christlichen Weltbildes, wie sie für die alte Narrenidee und das ursprüngliche fastnächtliche Rollenklischee der Gottesferne typisch sind. Als Hauptattraktion der Riedlinger Fastnacht erlangte der „Gole“ unter den Einheimischen einen solchen Beliebtheitsgrad, dass seine Spezies sich mit der Zeit vermehrte und inzwischen eine ganze Gole-Familie entstanden ist.

„Gole“ aus Riedlingen, Foto: Ralf Siegele, www.ralfsiegele.de

Der bekannteste Vertreter der überdimensionalen Fastnachtsgestalten des schwäbisch-alemannischen Raums ist zweifellos der „Gole“ von Riedlingen an der Donau, der mit seinem Anhang im Mittelpunkt der närrischen Tage des Städtchens steht. Wie sein schwäbischer Name andeutet, leitet er sich vom biblischen Riesen Goliath ab und gehört damit in den Figurenreigen jener Leugner des christlichen Weltbildes, wie sie für die alte Narrenidee und das ursprüngliche fastnächtliche Rollenklischee der Gottesferne typisch sind. Als Hauptattraktion der Riedlinger Fastnacht erlangte der „Gole“ unter den Einheimischen einen solchen Beliebtheitsgrad, dass seine Spezies sich mit der Zeit vermehrte und inzwischen eine ganze Gole-Familie entstanden ist.

Der Wilflinger Strohbär

Strohbär aus Wilflingen, Foto: Ralf Siegele, www.ralfsiegele.de

Dem dörflichen Fastnachtstreiben entstammen die Strohbären, die heute leider immer seltener werden, weil es zum einen im Zeitalter des Mähdreschens kaum noch langhalmiges Stroh gibt und weil zum anderen immer weniger junge Burschen bereit sind, die Unannehmlichkeiten des Tragens einer solchen Vermummung auf sich zu nehmen. In Wilflingen am südwestlichen Abtrauf ist das Ritual aber noch in seiner Originalform lebendig. Dort wird der Akteur in eine Art Pyramide aus lauter Strohbündeln mit einem Ährenbüschel auf der Spitze eingebunden und dann von Treibern an Hanfseilen herumgeführt, weil er sich selbst nur schwerfällig bewegen und mitunter auch kaum noch allein orientieren kann. Strohbären dieser Art sind oder waren weit über den schwäbisch-alemannischen Raum hinaus als Gaudium der Fastnachtszeit bekannt und stellen sogar ein europäisches Phänomen dar.

Strohbär aus Wilflingen, Foto: Ralf Siegele, www.ralfsiegele.de

Dem dörflichen Fastnachtstreiben entstammen die Strohbären, die heute leider immer seltener werden, weil es zum einen im Zeitalter des Mähdreschens kaum noch langhalmiges Stroh gibt und weil zum anderen immer weniger junge Burschen bereit sind, die Unannehmlichkeiten des Tragens einer solchen Vermummung auf sich zu nehmen. In Wilflingen am südwestlichen Abtrauf ist das Ritual aber noch in seiner Originalform lebendig. Dort wird der Akteur in eine Art Pyramide aus lauter Strohbündeln mit einem Ährenbüschel auf der Spitze eingebunden und dann von Treibern an Hanfseilen herumgeführt, weil er sich selbst nur schwerfällig bewegen und mitunter auch kaum noch allein orientieren kann. Strohbären dieser Art sind oder waren weit über den schwäbisch-alemannischen Raum hinaus als Gaudium der Fastnachtszeit bekannt und stellen sogar ein europäisches Phänomen dar.

Horiger Bär

Horiger Bär aus Singen, Foto: Ralf Siegele, www.ralfsiegele.de

Eine weiterentwickelte und deutlich tragefreundlichere Form des Strohbären ist der „horige Bär“ aus Singen am Hohentwiel. Statt des jährlich neuen Einbindens eines Akteurs in Stroh hat man hier das frühere Roggenstroh durch Erbsenstroh ersetzt und dieses auf Drillichanzüge aufgenäht, so dass das gesamte Häs einfach an- und ausgezogen werden kann. Außerdem ist die veredelte Variante des Strohbären in Singen mit einer Scheme, also einer Holzmaske ausgestattet. Der gesteigerte Tragekomfort der neuen Häsform hat zu einer Vermehrung der einstigen Ausgangsfigur geführt. Inzwischen tritt in der Singener Fastnacht eine Gruppe von nicht weniger als vierzehn „horigen Bären“ auf, die sich ihrem Aussehen nach auch sichtlich vom Strohbären alten Stils entfernt haben und heute eher dem Typus des Wilden Mannes ähneln, wie man ihn etwa aus Tiroler Fastnachten kennt.

Horiger Bär aus Singen, Foto: Ralf Siegele, www.ralfsiegele.de

Eine weiterentwickelte und deutlich tragefreundlichere Form des Strohbären ist der „horige Bär“ aus Singen am Hohentwiel. Statt des jährlich neuen Einbindens eines Akteurs in Stroh hat man hier das frühere Roggenstroh durch Erbsenstroh ersetzt und dieses auf Drillichanzüge aufgenäht, so dass das gesamte Häs einfach an- und ausgezogen werden kann. Außerdem ist die veredelte Variante des Strohbären in Singen mit einer Scheme, also einer Holzmaske ausgestattet. Der gesteigerte Tragekomfort der neuen Häsform hat zu einer Vermehrung der einstigen Ausgangsfigur geführt. Inzwischen tritt in der Singener Fastnacht eine Gruppe von nicht weniger als vierzehn „horigen Bären“ auf, die sich ihrem Aussehen nach auch sichtlich vom Strohbären alten Stils entfernt haben und heute eher dem Typus des Wilden Mannes ähneln, wie man ihn etwa aus Tiroler Fastnachten kennt.

Domino

“Domino” aus Schwyz (CH), Foto: Ralf Siegele, www.ralfsiegele.de

Eine eigene Spezies bilden diejenigen Fastnachtsfiguren, die durch Kulturkontakte mit Oberitalien über die Alpen in den alemannischen Raum gelangt sind. Sie sind besonders präsent in der Innerschweiz, wo der Austausch mit dem Bistum Mailand über den Gotthard rege war. Beispielhaft für diese Gruppe steht etwa die Gestalt des Domino aus Schwyz. Mit seiner Bergamasker Larve und dem Kapuzenmantel erinnert er daran, dass er ursprünglich auf einen geistlichen „Herrn“, italienisch „Domino“, zurückgeht, dessen aus der Mode gekommene Winterkleidung als komisch empfunden und so zur Fastnachtskostümierung wurde. Im selben Rezeptionsprozess südlicher Vorbilder gelangte auch der Bajazzo, der „Bajass“, in den deutschen Sprachraum. Die seit dem Barock verstärkt zu beobachtenden italienischen Einflüsse auf die Fastnacht nördlich der Alpen führten hier schließlich sogar zum Gebrauch der romanischen Bezeichnung „Carnevale“ für das Fest selbst.

“Domino” aus Schwyz (CH), Foto: Ralf Siegele, www.ralfsiegele.de

Eine eigene Spezies bilden diejenigen Fastnachtsfiguren, die durch Kulturkontakte mit Oberitalien über die Alpen in den alemannischen Raum gelangt sind. Sie sind besonders präsent in der Innerschweiz, wo der Austausch mit dem Bistum Mailand über den Gotthard rege war. Beispielhaft für diese Gruppe steht etwa die Gestalt des Domino aus Schwyz. Mit seiner Bergamasker Larve und dem Kapuzenmantel erinnert er daran, dass er ursprünglich auf einen geistlichen „Herrn“, italienisch „Domino“, zurückgeht, dessen aus der Mode gekommene Winterkleidung als komisch empfunden und so zur Fastnachtskostümierung wurde. Im selben Rezeptionsprozess südlicher Vorbilder gelangte auch der Bajazzo, der „Bajass“, in den deutschen Sprachraum. Die seit dem Barock verstärkt zu beobachtenden italienischen Einflüsse auf die Fastnacht nördlich der Alpen führten hier schließlich sogar zum Gebrauch der romanischen Bezeichnung „Carnevale“ für das Fest selbst.

Die Geltentrommler

“Geltentrommler” aus Waldshut, Foto: Ralf Siegele, www.ralfsiegele.de

Unter den unverlarvten Figuren der schwäbisch-alemannischen Fastnacht bilden die mit Abstand größte Gruppe die sogenannten „Hemdglonker“. Dies sind Akteure, die sich in weißen Nachthemden und mit Schlafkappen meist am Schmutzigen Dunschtig zu frühmorgendlichen oder nächtlichen Umzügen formieren. Einige davon treten auch an anderen Tagen auf wie etwa in Wolfach im Kinzigtal die Begleiter des „Wohlauf“ am frühen Schellementig, also am Fastnachtsmontag. Eine ganz besondere Variante der Hemdglonker sind die „Geltentrommler“ aus Waldshut am Hochrhein. Sie ziehen mit mehlgeweißten Gesichtern durch die Stadt und trommeln mit Kochlöffeln auf ihre verkehrt herum vor den Bauch gehängten hölzernen Zuber, die im Dialekt Gelten heißen. Dazu verkünden sie den Beginn der Fastnacht, indem sie im Trommeltakt skandieren: „Hüt goht d’Fasnet a mit der rote Pfiife.“

“Geltentrommler” aus Waldshut, Foto: Ralf Siegele, www.ralfsiegele.de

Unter den unverlarvten Figuren der schwäbisch-alemannischen Fastnacht bilden die mit Abstand größte Gruppe die sogenannten „Hemdglonker“. Dies sind Akteure, die sich in weißen Nachthemden und mit Schlafkappen meist am Schmutzigen Dunschtig zu frühmorgendlichen oder nächtlichen Umzügen formieren. Einige davon treten auch an anderen Tagen auf wie etwa in Wolfach im Kinzigtal die Begleiter des „Wohlauf“ am frühen Schellementig, also am Fastnachtsmontag. Eine ganz besondere Variante der Hemdglonker sind die „Geltentrommler“ aus Waldshut am Hochrhein. Sie ziehen mit mehlgeweißten Gesichtern durch die Stadt und trommeln mit Kochlöffeln auf ihre verkehrt herum vor den Bauch gehängten hölzernen Zuber, die im Dialekt Gelten heißen. Dazu verkünden sie den Beginn der Fastnacht, indem sie im Trommeltakt skandieren: „Hüt goht d’Fasnet a mit der rote Pfiife.“

Lokale Sonderlinge

„Babtistle“ aus Hüfingen, Foto: Ralf Siegele, www.ralfsiegele.de

Meist als Einzelfiguren und überwiegend ohne Larve treten diejenigen Rollenträger auf, die an ein ortsbekanntes Original oder einen kauzigen lokalen Sonderling erinnern. Zu ihnen gehört etwa der „Baptistle“ aus Hüfingen, der den Rahmen eines Sprossenfensters um den Hals trägt. Er erinnert an einen gewissen Baptist Moog, der einst ein Fastnachtsverbot auf raffinierte Weise umgangen haben soll: Als einmal die Straßenfastnacht untersagt war, habe der Baptistle darum gebeten, wenigstens vom Fenster aus zuschauen zu dürfen. Und als ihm das erlaubt worden sei, habe er kurzerhand den Fensterrahmen aus den Angeln gehoben und umgehängt und sei damit auf die Straße gegangen. Hierbei handelt es sich ganz offensichtlich um eine Wandersage, die genauso auch in Radolfzell erzählt wird – nur dass der Protagonist dort in Anknüpfung an einen stets mit Kappe auftretenden Xaver Desch als „Kappedeschle“ bekannt ist. Auch er geht an der Fasnet mit dem Fensterrahmen im Umzug mit.

“Babtistle” aus Hüfingen, Foto: Ralf Siegele, www.ralfsiegele.de

Meist als Einzelfiguren und überwiegend ohne Larve treten diejenigen Rollenträger auf, die an ein ortsbekanntes Original oder einen kauzigen lokalen Sonderling erinnern. Zu ihnen gehört etwa der „Baptistle“ aus Hüfingen, der den Rahmen eines Sprossenfensters um den Hals trägt. Er erinnert an einen gewissen Baptist Moog, der einst ein Fastnachtsverbot auf raffinierte Weise umgangen haben soll: Als einmal die Straßenfastnacht untersagt war, habe der Baptistle darum gebeten, wenigstens vom Fenster aus zuschauen zu dürfen. Und als ihm das erlaubt worden sei, habe er kurzerhand den Fensterrahmen aus den Angeln gehoben und umgehängt und sei damit auf die Straße gegangen. Hierbei handelt es sich ganz offensichtlich um eine Wandersage, die genauso auch in Radolfzell erzählt wird – nur dass der Protagonist dort in Anknüpfung an einen stets mit Kappe auftretenden Xaver Desch als „Kappedeschle“ bekannt ist. Auch er geht an der Fasnet mit dem Fensterrahmen im Umzug mit.

Narrenbolizei

„Narrenbolizei“ aus Singen, Foto: Ralf Siegele, www.ralfsiegele.de

Eine Standardrolle in vielen Fastnachten vor allem des Hegau-Bodenseegebietes ist der Narrenpolizist, im Dialekt „Narrenbolizei“ genannt, oder der Narrenbüttel. Er fungiert wie etwa hier in Singen gewöhnlich unverlarvt als lautstarker öffentlicher Ausrufer, der mit seiner Schelle die Fasnet verkündet, oder als Respekt einfordernder närrischer Ordnungshüter, der verdeutlicht, dass die Exekutive während der närrischen Tage bei ihm liegt und nicht mehr von den entmachteten Amtsträgern des Rathauses ausgeübt wird. Fastnacht ist also – das offenbart sich selbst an der parodistischen Figur des Narrenpolizisten – keineswegs die Auflösung aller Ordnungen oder gar so etwas wie Anarchie auf Zeit. Im Gegenteil, sie schafft nur neue Ordnungen und folgt ihren eigenen Gesetzmäßigkeiten, die aber an Strenge den Regeln des Alltags fort kaum nachstehen.

“Narrenbolizei” aus Singen, Foto: Ralf Siegele, www.ralfsiegele.de

Eine Standardrolle in vielen Fastnachten vor allem des Hegau-Bodenseegebietes ist der Narrenpolizist, im Dialekt „Narrenbolizei“ genannt, oder der Narrenbüttel. Er fungiert wie etwa hier in Singen gewöhnlich unverlarvt als lautstarker öffentlicher Ausrufer, der mit seiner Schelle die Fasnet verkündet, oder als Respekt einfordernder närrischer Ordnungshüter, der verdeutlicht, dass die Exekutive während der närrischen Tage bei ihm liegt und nicht mehr von den entmachteten Amtsträgern des Rathauses ausgeübt wird. Fastnacht ist also – das offenbart sich selbst an der parodistischen Figur des Narrenpolizisten – keineswegs die Auflösung aller Ordnungen oder gar so etwas wie Anarchie auf Zeit. Im Gegenteil, sie schafft nur neue Ordnungen und folgt ihren eigenen Gesetzmäßigkeiten, die aber an Strenge den Regeln des Alltags fort kaum nachstehen.

Die Narreneltern

„Narreneltern“ aus Überlingen, Foto: Ralf Siegele, www.ralfsiegele.de

Insbesondere für die Fastnachten rund um Bodensee ist noch ein Figurenpaar obligatorisch, bei dem gewissermaßen das Sorgerecht für alle Narren liegt und das für Zeit vom Schmutzigen Duschtig bis zum Fastnachtsdienstagabend quasi sämtliche Narren als seine Kinder betrachten darf: die „Narreneltern“. Bis auf wenige Ausnahmen werden beide Rollen, sowohl die des „Narrenvaters“ also auch die „der Narrenmutter“, von männlichen Akteuren gespielt. Meist in die ortsübliche Tracht gekleidet, gehen die beiden wie etwa hier in Überlingen, dem Umzug voraus und haben im gesamten Fastnachtsgeschehen eine exponierte Position. Auch wenn sich von den heutigen Narreneltern keine direkte Traditionslinie bis ins späte Mittelalter zurückverfolgen lässt, ist doch zu erwähnen, dass speziell die Figur der Narrenmutter bereits im 15. und 16. Jahrhundert in verschiedenen Orten Europas eine prominente Fastnachtsrolle war und dass sich etwa in Dijon und in Augsburg ganze närrische Gesellschaften um eine Narrenmutter scharten, die ebenfalls stets von einem Mann verkörpert wurde. mehr über Narreneltern

“Narreneltern” aus Überlingen, Foto: Ralf Siegele, www.ralfsiegele.de

Insbesondere für die Fastnachten rund um Bodensee ist noch ein Figurenpaar obligatorisch, bei dem gewissermaßen das Sorgerecht für alle Narren liegt und das für Zeit vom Schmutzigen Duschtig bis zum Fastnachtsdienstagabend quasi sämtliche Narren als seine Kinder betrachten darf: die „Narreneltern“. Bis auf wenige Ausnahmen werden beide Rollen, sowohl die des „Narrenvaters“ also auch die „der Narrenmutter“, von männlichen Akteuren gespielt. Meist in die ortsübliche Tracht gekleidet, gehen die beiden wie etwa hier in Überlingen, dem Umzug voraus und haben im gesamten Fastnachtsgeschehen eine exponierte Position. Auch wenn sich von den heutigen Narreneltern keine direkte Traditionslinie bis ins späte Mittelalter zurückverfolgen lässt, ist doch zu erwähnen, dass speziell die Figur der Narrenmutter bereits im 15. und 16. Jahrhundert in verschiedenen Orten Europas eine prominente Fastnachtsrolle war und dass sich etwa in Dijon und in Augsburg ganze närrische Gesellschaften um eine Narrenmutter scharten, die ebenfalls stets von einem Mann verkörpert wurde.

Der Narrensamen

„Narrensamen“ aus Rottweil, Foto: Wilfried Dold

Besonders liebevoll ist in der schwäbisch-alemannischen Fastnacht der Sammelname für Kinder, die sich zwar durchaus schon bunt verkleidet am närrischen Geschehen beteiligen, aber noch nicht die klassischen Masken und Häser tragen. Sie werden „Narrensamen“ genannt und bilden den Nachwuchs, um den man sich in Südwestdeutschland keine Sorgen zu machen braucht. In Rottweil geht der „Narrensamen“ weiß geschminkt im zweifarbigen oder gepunkteten Bajazzokostüm als „Bajässle“ mit Rüschenkragen und spitzer Mütze als munter daher hüpfende Schar dem Narrensprung voraus. In der bildhaften Bezeichnung „Narrensamen“ klingt die bereits im Spätmittelalter gern gewählte Aussaatmetaphorik für die Entstehung neuer Narren an, wie sie sich etwa auch in den agrarischen Fastnachtbräuchen des Pflugziehens und des Narrensamensäens ausdrückt

„Narrensamen“ aus Rottweil, Foto: Wilfried Dold

Besonders liebevoll ist in der schwäbisch-alemannischen Fastnacht der Sammelname für Kinder, die sich zwar durchaus schon bunt verkleidet am närrischen Geschehen beteiligen, aber noch nicht die klassischen Masken und Häser tragen. Sie werden „Narrensamen“ genannt und bilden den Nachwuchs, um den man sich in Südwestdeutschland keine Sorgen zu machen braucht. In Rottweil geht der „Narrensamen“ weiß geschminkt im zweifarbigen oder gepunkteten Bajazzokostüm als „Bajässle“ mit Rüschenkragen und spitzer Mütze als munter daher hüpfende Schar dem Narrensprung voraus. In der bildhaften Bezeichnung „Narrensamen“ klingt die bereits im Spätmittelalter gern gewählte Aussaatmetaphorik für die Entstehung neuer Narren an, wie sie sich etwa auch in den agrarischen Fastnachtbräuchen des Pflugziehens und des Narrensamensäens ausdrückt