Hexen ist … Männersache?

 

Hexen ist … Männersache?

 

Die ambivalente Figur der Hexe ist nahezu allgegenwärtig in verschiedensten Brauch- und Festformen. Neben der Erinnerung an die historischen Hexenverfolgungen im Europa der Frühen Neuzeit prägte vor allem das Märchen des 19. Jahrhunderts das heutige Bild der bösen Hexe: eine hässliche alte Frau.

In der schwäbisch-alemannischen Fastnacht entstanden in den späteren 1930er-Jahren verschiedene Hexenfiguren in bewusster Abkehr von den traditionellen Narrengestalten. Im weiteren Verlauf entwickelte sich ein regelrechter Hexenboom. Dabei galt diese Figur mit ihren wilden Sprüngen und oftmals akrobatischen Vorführungen als ausgesprochene Männerdomäne. Bis heute stecken in den altmodischen, bäuerlichen Frauenkleidern überwiegend junge Burschen, die ihren Schabernack mit den Zuschauern treiben und dabei dem weiblichen Publikum besondere Aufmerksamkeit widmen. Doch der Schein der verkehrten Narrenwelt kann trügerisch sein.

Auf dem Foto posiert eine Gruppe Aulendorfer Eckhexen für den Fotografen. Die Aulendorfer Hexenfigur entstand im Jahr 1938 während der ersten „Hexenwelle“. Die Narrenzunft legt Wert darauf, dass keine Verbindungen zu den auch in Aulendorf durchgeführten Hexenprozessen intendiert sind. Vielmehr wird Bezug genommen auf eine lokale Überlieferung, nach der im historischen Stadtzentrum in der Eckstraße (Eggstraße) eine übel beleumdete Frau gelebt haben soll.

Die dokumentarischen Schwarz-Weiß-Aufnahmen entstanden vermutlich in den 1950er-Jahren. Sie zeigen die damals noch nicht normiert gekleideten Hexenfiguren ‒ und sie zeigen zugleich die Menschen hinter der Maske. Und da hat offensichtlich auch eine junge Frau unangefochten ihren Spaß an der doppelt verkehrten Welt …

Bildnachweis: Fotograf: Hans Schlitz

2021-08-31T10:31:19+02:0027. April 2021|

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