Fastnacht in R(h)einkultur?

Prinz Karneval in Offenburg

Im Jahr 1935 richtete die Althistorische Narrenzunft Offenburg das vierte Narrentreffen der Vereinigung Schwäbisch-Alemannischer Narrenzünfte (VSAN) aus. Prinz Karneval empfing seine Gäste; auf unserem Bild begibt er sich nach dem Abschreiten einer Formation der wiedergegründeten Offenburger Ranzengarde in Begleitung eines (neu belebten) Hanseles als Schleppenträger ins Rathaus. Die Fotoaufnahme steht symbolisch für die Übergangssituation in der südwestdeutschen Fastnacht der Zwischenkriegszeit: Prinz Karneval und Althistorische Narrenzunft, rheinischer Karneval und schwäbisch-alemannische Fastnacht – vertrug sich das?

Die Geschichte der Fastnacht im Südwesten ist geprägt von einer Abfolge von Anziehungs- und Abstoßungsreaktionen verschiedener Fest- und Brauchformen. Seit dem 19. Jahrhundert wurde der romantisch veredelte bürgerliche Karneval rheinischer Prägung auch für die Narren im Südwesten zum Orientierungspunkt. Als Gegenreaktion folgte um die Wende zum 20. Jahrhundert die Rückbesinnung auf bodenständige Fastnachtsbräuche des schwäbisch-alemannischen Raums; 1924 wurde die Vereinigung Schwäbisch-Alemannischer Narrenzünfte gegründet.

Im Offenburg der früheren 1930er-Jahre waren Fastnacht und Karneval noch kein unüberwindlicher Gegensatz. Zwar hatte sich der altehrwürdige Carnevalsverein als Gründungsmitglied der VSAN (einmal mehr) einen zeitgemäßen Namen gegeben; seit 1926 nannte er sich »Althistorische Narrenzunft Offenburg«. Doch blieb Prinz Karneval, der nach Dreikönig aus seinem Schlummer geweckt wurde, eine unverzichtbare Größe. Auch 1935 »regierte« er in Gestalt des kunstsinnigen Offenburger Hoteliers Karl Otto Schimpf, des langjährigen »Hausdichters« des (früheren) Carnevalsvereins, noch einmal die große närrische Prunksitzung. In der Nachkriegszeit sollte der »(Schalks-)Narr« seine Aufgaben übernehmen.

Die Distanz zum rheinischen Karneval bliebt gewahrt, bis im Januar 2019 unter dem gemeinsamen Prädikat des immateriellen Kulturerbes die Ornate des Kölner Dreigestirns – Prinz, Bauer und Jungfrau – Aufnahme im Narrenschopf, dem Fastnachtsmuseum der Vereinigung Schwäbisch-Alemannischer Narrenzünfte, gefunden haben.

2019-03-12T09:24:45+00:008. Februar 2019|

Hinterlasse einen Kommentar