Hübsch hässlich – Hexen der schwäbisch‒alemannischen Fastnacht

Hübsch hässlich – Hexen der schwäbisch‒alemannischen Fastnacht

 

Seit alters schwanken die Bilder von Hexen zwischen verführerischen jungen Frauen und alten hässlichen Weibern. Aus der Schreckgestalt der bösen Märchenhexe wurde in den frühen 1930er-Jahren die Figur der schwäbisch-alemannischen Fastnachtshexe entwickelt.

Fastnachtshexen haben ihre ganz eigene Ästhetik. Allen gemeinsam ist die spezifische Ausstattung. Zur altmodischen, bäuerlichen Frauenkleidung mit Kopftuch, Schürze, langer Unterhose, Strohschuhen und dem obligatorischen Besen kommt eine Maske mit vorquellenden Augen, großer Hakennase und einzeln herausstehenden Zähnen. Im Zeichen der verkehrten Welt ist die Gestalt der Hexe vor allem bei jungen männlichen Narren beliebt.

Die hier vorgestellten Figurentypen, die Pfullendorfer Hexe und die Waldkircher Kandelhexe, stehen für zwei unterschiedliche Konzepte aus der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Die Pfullendorfer Hexe wurde nach dem Zweiten Weltkrieg unter Rückgriff auf alte Hexengruppen junger Burschen wiederbelebt. Ihr unverkennbares Markenzeichen ist die variantenreiche, bewusst grobe und hässliche Maske, die bis heute von jedem Maskenträger selbst aus Pappmaschee verfertigt wird. Die formbare und zudem preisgünstige Masse aus Karton und Leim war vor der Erfindung der Kunststoffe ein beliebter Werkstoff.

Etwa 20 Jahre jünger ist die Waldkircher Kandelhexe, die nach ersten Anfängen von der Zunft 1974 vorgestellt und 1976 durch die VSAN offiziell genehmigt wurde. Die Figur besitzt eine durchgestylte „Ästhetik des Hässlichen“, wie sie von den Offenburger und Gengenbacher Hexen stilbildend eingeführt wurde. Der Entwurf des Waldkircher Künstlers Hans Hoch wurde durch den bekannten Elzacher Holzbildhauer Konrad Wernet umgesetzt; so entstand eine typische Hexenlarve mit Hakennase, grinsendem Mund, vorstehenden Zähnen und Rollkinn. Veredelt wird das Erscheinungsbild durch das über einen Unterbau mit drei Wülsten kunstvoll drapierte Kopftuch. Hübsch hässlich eben …

2020-05-04T17:42:51+00:004. Mai 2020|

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