Mechthild ‒ die Fastnachtsfürstin von Rottenburg

Mechthild ‒ die Fastnachtsfürstin von Rottenburg

Seit über 80 Jahren hält „Gräfin Mechthild“ wieder Hof in Rottenburg, wenn auch nur während der Fastnachtszeit. Mechthild wurde 1419 als Tochter des Kurfürsten Ludwig III. von der Pfalz in Heidelberg geboren. Sie heiratete in erster Ehe 1436 den Grafen Ludwig von Württemberg und im Jahr 1452 den späteren Erzherzog Albrecht von Österreich. In der österreichischen Grafschaft Hohenberg machte sie ihre Hofhaltung in Rottenburg zu einer kulturellen Hochburg. In Erinnerung blieben (deftige) Details der Festlichkeiten, die ein Jahrhundert später in der Zimmerischen Chronik nach Art der heutigen Regenbogenpresse kolportiert wurden.

Mechthild habe „zu Rotenburg große höf, auch cöstliche vasnachten gehalten“: Dieser Aspekt ihrer Regentschaft diente in den 1920er Jahren der jungen Narrenzunft in Rottenburg am Neckar als Traditionskern. Die Rottenburger Narren gestalteten die bürgerlichen Karnevalsformen des 19. Jahrhunderts zeitgemäß „schwäbisch-alemannisch“ um und gaben der „Raudeburger Fasnet“ unter Berufung auf die lebenszugewandte Erzherzogin zugleich eine historische Legitimation. 1929 wurde für das kommende Jahr der Auftritt der „Gräfin Mechthilde“ angekündigt. Durch die Fastnachtsverbote verschob sich das Ereignis auf die Fastnacht 1933. Seit der Wiederaufnahme der Umzüge im Nachkriegsjahr 1949 bildet der prächtige Auftritt der „Gräfin Mechthild“ mit ihrem Hofstaat einen unverzichtbaren Teil der Rottenburger Fastnacht.

Die Narrenzunft Rottenburg feierte am Fastnachtsmontag 2019 den 600-jährigen Geburtstag ihrer Patronin mit einem großen Geburtstagsfest. Der historischen Mechthild widmet sich eine kulturhistorische Ausstellung, die vom 13. September bis zum 17. November in der Rottenburger Zehntscheuer zu sehen ist.

2019-09-20T12:20:39+00:0020. September 2019|

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