Wintervorsorge: Stroh für den Bären

Wintervorsorge: Stroh für den Bären

 

Vorsorgen für den Winter klingt altmodisch. Für Fastnachtsbegeisterte im Umkreis der Schwäbischen Alb ist es ein unbedingtes „Muss“ ‒ jedenfalls, wenn im nächsten Jahr ein Strohbär laufen soll.

Langhalmiges Stroh war bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts in der Winterzeit reichlich vorhanden. Heute ist eine genaue Planung erforderlich, vom Anbau einer geeigneten Getreidesorte auf einem gesonderten Feld über die Ernte mit der Sense bis zum Ausdreschen von Hand. (Ersatzweise kann auch das Stroh der Futtererbsen verwendet werden.) Erntezeit ist von Juli bis August.

In den landwirtschaftlich geprägten Gegenden Südwestdeutschlands, in Franken, der Pfalz und einigen Gegenden in Hessen und Thüringen stellte die weit verbreitete Strohvermummung einen Heischebrauch von Gruppen junger Männer dar, der erst nach und nach Eingang in die fastnächtlichen Umzüge fand. Der Bär galt dabei ‒ ebenso wie der „wilde Mann“ ‒ als gottesferne Gestalt.

Dem Bären werden die Halme in dicken Schichten senkrecht an den Körper und über das Gesicht gebunden. Andernorts erfolgt das Einbinden von unten her mit Girlanden aus Stroh, so beim Empfinger Erbsenbären. Mehrfach verwendbar sind Kostüme, bei denen die Halme auf einen Drillichanzug aufgenäht werden, wie beispielweise beim „hoorigen Bären“ in Singen. In Wilflingen wird der Ährenkranz, der den Kopf schmückt, durch einen übergestülpten Weidenkorb ohne Boden zusammengehalten.

Die Bewegungen der Strohbären sind schwerfällig wie die der altbekannten Tanzbären, und wie sie wird der Strohbär von mehreren Treibern ‒ im Bauernkittel oder neuerdings in einem eigenen Häs ‒ an einem der Fastnachtstage an langen Seilen durch den Ort geführt. Am Ende der Fastnacht oder am folgenden Funkensonntag wird das inzwischen stark ramponierte Stroh verbrannt.

Durch den technischen Wandel in der Landwirtschaft vom Aussterben bedroht, erfuhr der Strohbär in den letzten Jahren vor allem mit Empfinger Hilfe eine Wiederbelebung. 2019 war in Wellendingen ein Samstag der Fastnachtszeit als „Strohbärentag“ ganz dieser urtümlichen Fastnachtsfigur gewidmet.

2019-07-22T09:02:58+00:0022. Juli 2019|

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